Wie und wo arbeiten wir morgen?

New Work, die Homeoffice-Pflicht und der Fokus hin zu flexiblen Arbeitsformen regen dazu an, uns damit auseinanderzusetzen, wie wir zukünftig arbeiten wollen. Anja Behner, Projektleiterin beim Einrichtungspionier Waldis Büro und Wohnen, gibt uns ihre Ideen mit auf den Weg.

Seit mehr als sechs Jahren unterstützt Anja Behner ihre Kunden beim Einrichten von Büros und Wohnräumen sowie beim Finden von kreativen Lösungen rund um das Thema «Arbeiten – Jetzt und in Zukunft». Wir haben Anja anhand einiger Thesen dazu befragt, wie sich unser Arbeitsalltag wandeln wird. Das Thema ist gerade jetzt wieder von grosser Dringlichkeit, da viele von uns im Homeoffice arbeiten und wohl auch in Zukunft mehr remote als vor Ort tätig sein werden.

 

Brauchen wir überhaupt noch Büroräumlichkeiten oder gehört das Office, wie wir es bis heute kennen, der Vergangenheit an?

Wir sind davon überzeugt, dass sich auch nach der Pandemie vielerorts hybride Arbeitsmodelle durchsetzen werden. Homeoffice und Remote Work werden in vielen Unternehmen zu einem festen Bestandteil. Doch die Veränderung der Arbeitsmodelle und der Kommunikation stellt andere Anforderungen an das Büro. Das Büro wird mehr zu einem Treffpunkt für den physischen Austausch und für zufällige Begegnungen. Dort soll der Teamgedanke gelebt und gestärkt werden. Das Büro, als eine Art Heimat, wird umso wichtiger für die Mitarbeitenden, da es Identität stiftet und Zugehörigkeit vermittelt.

«In erster Linie sind es nicht die Arbeitsräume, welche die Mitarbeitenden zurück ins Büro ziehen, sondern die Menschen, mit denen man zusammenarbeitet.»

Anja Behner,

Projektleitung / Verkauf, Waldis AG

Als Vorteil von Homeoffice wird das fokussierte und konzentrierte Arbeiten genannt. Vermisst werden jedoch der Austausch mit Arbeitskolleginnen und -kollegen sowie die gemeinsamen Begegnungsorte.
Der Anspruch an das Office der Zukunft soll somit verschiedene Raumkonzepte erfüllen wie zum Beispiel Orte zum fokussierten Arbeiten, Begegnungsorte, Raum für gemeinsames Schaffen und Lernen sowie für den Austausch.

Wie begegnet ihr diesem Trend?

Mit dieser Ausgangslage sehen wir uns in unseren Projekten schon seit längerem konfrontiert. Denn viele Unternehmen lebten schon seit geraumer Zeit die Art der Zusammenarbeit, was andere erst durch Covid kennengelernt haben. Doch durch die Pandemie und die damit verbundene Verlagerung ins Homeoffice überdenken viele Unternehmen die künftige Nutzung ihrer Büroräumlichkeiten. Braucht überhaupt noch jeder Mitarbeiter einen festen Arbeitsplatz und was hat das Büro künftig für eine Funktion? Solche und viele weitere Fragestellungen klären wir in gemeinsamen Workshops mit der Geschäftsleitung und den Mitarbeitenden. Die Ergebnisse daraus dienen uns wiederum als Planungsgrundlage für eine massgeschneiderte Bürowelt. Denn jedes Unternehmen hat eine andere Ausgangslage und andere Bedürfnisse.

Viele Unternehmen werden ihren Arbeitnehmenden zukünftig einen Mix aus verschiedenen Arbeitsformen bieten. Wir werden nicht jeden Tag im Büro anwesend sein und eventuell werden wir uns sogar für den gemeinsamen Office-Tag verabreden. Kleinere Unternehmen gewinnen so an Bürofläche, die sie gekonnt für anderes nutzen können. Grössere Unternehmen werden schlichtweg nicht mehr soviel Fläche benötigen.

 

Wie können wir diese Flächen sinnvoll nutzen – welche Tipps hast du für uns?

Diese Frage kann nicht pauschal beantwortet werden. Wie freier Platz optimal genutzt werden kann, muss man von Fall zu Fall klären. Denn es macht keinen Sinn z.B. in freien Flächen ein Sofa oder einen Fussballkasten hinzustellen, wenn die Nutzung derselben die Unternehmenskultur nicht zulässt. Die Veränderung von einem Raumangebot steht oftmals auch in Verbindung mit der Unternehmenskultur und der Führung.

 

Was sollen uns Arbeitsräume und -umgebung bieten, damit wir wieder dahin zurückwollen?

In erster Linie sind es nicht die Arbeitsräume, welche die Mitarbeitenden zurück ins Büro ziehen, sondern die Menschen, mit denen man zusammenarbeitet. Wenn die Mitarbeitenden nicht mehr zurück ins Büro wollen, hat man wohl eher ein kulturelles Problem.

Aber grundsätzlich ist es wichtig, dass man seinen Mitarbeitenden ein vielseitiges Raumangebot mit genügend Rückzugsmöglichkeiten zur Verfügung stellt. Denn jeder Mitarbeiter hat seine eigenen Vorlieben, wo er sich wohl fühlt und wie er arbeiten möchte. Dies fördert nicht zuletzt auch die Kreativität.

 

Wie arbeiten wir morgen und wie in 5 bis 10 Jahren?

Wir befinden uns derzeit wohl im grössten Wandel der Arbeitswelt der letzten Jahrzehnte. Hybride Arbeitsmodelle, Homeoffice und Remote Work werden sich durchsetzen – je nach Firma unterschiedlich ausgeprägt. Diese Arbeitsweisen haben auch einen Impact auf die Führungskultur. Andere Arbeitsmodelle und die Anpassung der Mitarbeiterführung sind Prozesse, die Zeit brauchen – oftmals mehrere Monate oder sogar Jahre. Daher bin ich der festen Überzeugung, dass es das Büro, wie wir es oben beschrieben haben, auch noch in 5 oder 10 Jahren geben wird. Aber der Ort, wo man arbeitet, ob im Büro im Homeoffice oder am See, wird künftig flexibler geregelt sein.

«Ich glaube, die meisten von uns haben Homeoffice und die damit verbundenen Vorteile zu schätzen gelernt. Mitarbeitende werden diese Freiheit auch nach Covid einfordern.»

Anja Behner,

Projektleitung / Verkauf, Waldis AG

Wir sind jetzt, schneller als gedacht, in Berührung gekommen mit den neuen Arbeitsformen und -welten. Werden wir daran festhalten können oder wieder in den gehabten Alltag eintauchen? Welches sind deine Wünsche an die Arbeitswelt der Zukunft?

Es wird viele Firmen geben, die wieder in ihre alten Muster verfallen und die Mitarbeitenden zurück im Büro sehen wollen. Dies hängt aber sehr stark mit der Führungskultur und dem Vertrauen in die Mitarbeitenden zusammen. Doch mit dieser Haltung werden sie über kurz oder lang gute Mitarbeitende verlieren. Ich glaube, die meisten von uns haben Homeoffice und die damit verbundenen Vorteile zu schätzen gelernt. Mitarbeitende werden diese Freiheit auch nach Covid einfordern.

 

Herzlichen Dank für das Interview liebe Anja.

 

Titelbild von Bruno Helbling

Mehr über Waldis Working Places findest du hier.

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